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Verein Deutscher Besitzertrainer
 
 
Rundbriefe
 
Rundbrief Dezember 2002

Liebe Mitglieder,

dem Rennsport geht es nicht gut, das merken wir an allen Enden. Höhere Kosten, sinkende Rennpreise, fallende Umsätze, verschenkte statt verkaufte Pferde ...

Es wird auch im kommenden Jahr kaum besser werden. Die kränkelnde Wirtschaftslage schlägt erfahrungsgemäß auf den Rennsport doppelt durch. Wer gestern noch hoffnungsvoll Pferde kaufte, tritt heute als Verkäufer auf. Die patriarchalischen Firmenchefs, die ihr Gestüt unterhielten, werden immer weniger. Bankbeiräte führen die Aufsicht in den Firmen und haben eher die Dividende und die Investitionen im Blick, nicht so sehr das Hobby des Hausherren.

Das schlägt auch auf die Strukturen des Rennsportes durch. Die Zahl der herrschaftlich finanzierten und von Profis betreuten Pferde wird immer kleiner. Verständlich, das Trainer und Reiter Risiken für ihre Existenz sehen. Im Gefüge des Rennsportes wird dieser Pferdeschwund aufgefangen durch nicht gar so gut betuchte, aber von der Liebe zum Pferd und zur Sache getriebene Enthusiasten, die ihre Pferde selbst reiten und selbst trainieren wollen. Verständlich, dass das die Profis im Sport nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißt.

Wenn wir aber diese Entwicklung ignorieren oder gar ausbremsen, dann wird die ohnehin kleine Nische, die der Rennsport ausfüllt, noch kleiner. Über 300 000 Pferde stehen in Deutschland, knapp ein Prozent davon sind Rennpferde. Warum gelingt es nicht, die vielen Pferdefreunde landauf, landab für die schnellen Galopper zu begeistern? Es ist nun 'mal nicht jedermans Sache, sein Pferd in fremde Hände zu geben, um in der Zeitung zu lesen, wo es am Wochenende gelaufen ist - und regelmäßig das Verrechnungskonto aufzufüllen. Wir werden die winzige Nische nur ausweiten, wenn wir uns vermehrt jenen öffnen, die den unmittelbaren Kontakt zu ihrem Pferd behalten wollen.

Von einer solchen Öffnung profitiert auch das Profi-Lager, nicht nur, dass der Newcomer als potentieller Pferdekäufer auftritt. Wenn er sein Herz erst an den Sport verloren hat, wird er ihm treu bleiben, auch wenn sein Beruf ihm die Zeit nicht mehr lässt, wenn seine Gicht ihn nicht mehr auf's Pferd lässt, wenn sein Nachbar den Misthaufen nicht mehr neben dem Rosenbeet duldet. Dann wird er Kunde des Trainers, Kunde des Jockeys. Oder wie so viele ehemalige Amateure selbst Jockey.
 
Fast das Ende des Amateursportes

Sich dieser Entwicklung versperren, heißt rückwärts rudern. Und darum ist es auch gut, dass sich die Delegiertenversammlung des Direktoriums dem Versuch verweigert hat, den Amateursport zu Grunde zu richten. Im Trainer- und Jockeyverband entstand die Idee, Amateure nur in offenen Rennen zuzulassen, wenn sie 50 Siege der Klasse A erreicht haben, in weiser Selbstbeschränkung wurde das dann intern auf 20 A-Siege heruntergefahren, und in heißer Diskussion in der Technischen Kommission schließlich auf 5 A-Siege begrenzt, geltend für Rennvereine, bei denen auch Grupperennen stattfinden, dort allerdings immer. Ehrlicherweise wurde das anfangs beschworene Sicherheitsargument fallen gelassen und offen von der Existenzfrage gesprochen. Es wäre wohl auch schwer begreifbar zu machen, dass in Krefeld andere Sicherheitsbedingungen nötig sind als in Köln. Und fairerweise muss hinzugefügt werden, dass dieser fatale Antrag auch im Trainer- und Jockeyverband nicht unumstritten war.

Diese Klausel wäre das Ende des Amateursportes gewesen, denn wo soll ein junger Amateur seine A-Siege zusammenreiten, wenn er in den meisten A-Rennen nicht starten darf. Der Antrag wurde abgelehnt, als Kompromiss wurde dagegen in Ziffer 238 die Zahl der Rennen, die in B-, Amateur- oder Halbblutrennen absolviert sein müssen von 10 auf 15 Ritte erhöht. Ich denke, damit kann man leben.
 
Amateurwinterchampionat in Dortmund

Verschlimmert wurde die Situation, weil der Dortmunder Rennverein, der mit unserem Sponsoring jedes Jahr das Winter-Amateurchampionat durchführte, im Ausschreibungsheft für Januar und Februar kein einziges Amateurrennen mehr ausschrieb. 2002 waren es noch sieben. Mit vereinten Kräften ist es dem Amateurverband und uns gelungen, nun doch wieder sogar neun Amateurrennen dort zu installieren. Ein Dank an Dortmund. Auch andere Rennvereine haben unser gezieltes Sponsoring von Amateurrenen, die unseren Vorstellungen einer basisgerechten Ausschreibung entsprechen, angenommen. Unsere Mitgliederversammlung hatte in der letzten Sitzung einen solchen Beschluss gefasst.
 
Inländer-Rennen

Ab 2003 sind alle Rennen - außer den Auktionsrennen - international offen. Damit fällt die Inländergeltung nach Ziffer 23 RO weg. Die Inländereigenschaft nach Ziffer 21 RO gilt also nur noch für die Züchter- und Besitzerprämie.

Die Falle in Ziffer 21, in die ein Gestüt gestolpert ist, das seine Jährlinge in Newmarket auf einer Auktion vergebens anbot, und sie durch dieses kurzfristige Gastspiel im Ausland dauerhaft zu Ausländern machte, wurde jetzt beseitigt.
 
Eigentumsurkunde

Die Eigentumsurkunde, die vor kurzem kreiert wurde, weil der Pferdepass ständig mit dem Pferd herumreisen muss, wurde wieder abgeschafft. Sie hat sich als überflüssig, aufwendig und kostenträchtig erwiesen. Die Eigentumsverhältnisse sind auch ohne Eigentumsurkunde nachweisbar, zumal Besitzwechsel beim Direktorium registriert werden. Daraus resultieren eine ganze Reihe der im WRK veröffentlichten RO-Änderungen.

Allerdings - auch wegen des schwierig geworden Gewährleistungsrechtes - dürfte es zweckmäßig sein, einen Kaufvertrag abzuschließen. Wird eine Besitzwechselanzeige für ein Pferd erstattet, für das bereits eine Eigentumsurkunde ausgestellt wurde, ist diese mit der BWA beim Direktorium einzureichen.
 
Tragende Stuten in Rennen

Eine Stute, die mehr als 120 Tage tragend ist, darf an einem Rennen nicht mehr teilnehmen.
 
Nasenpflaster

Nasenpflaster, von denen Sportler hoffnungsvoll glauben, sie würden die Leistung verbessern, sind für Pferde in Rennen nicht zugelassen.
 
Ziffer 539 Erlaubte Mittel

Da - wenn auch weit von hier - "Impfungen" missbraucht wurden, um zu dopen, wurden die erlaubten Impfungen präzisiert.Die Veröffentlichung im WRK ließ nicht eindeutig erkennen, dass die unter b) und c) aufgeführten erlaubten Substanzen natürlich weiterhin gelten.
 
Grundimmunisierung

Ein Pferd ist bereits nach den ersten zwei Impfungen der Grundimmunisierung zu Rennen zugelassen. Das verhindert, dass ein Pferd, bei dem wegen Zeitversäumnissen eine neue Grundimmunisierung eingeleitet werden muss, fast ein Jahr in der Ecke steht.
 
Mindestgewicht wieder 50 kg

Das Mindestgewicht in Ausgleichen ist wieder von 52 kg auf 50 kg heruntergesetzt.
 
Umsatzsteuer-Ermäßigung wird wegfallen

Der schwierigen Lage des Pferdesportes wird ein weiteres Handicap draufgesetzt. Die bisher geltende Ermäßigung des Umsatzsteuersatzes auf 7% für Pferde (Kauf wie Pachtung), Futtermittel und Einstreu wird (voraussichtlich zum 1.4.2003) wegfallen, so dass in Zukunft alle entsprechenden Rechnungen mit 16% statt 7% Umsatzsteuer belastet sind. Das trifft vor allem jene, die selbst nicht umsatzsteuerpflichtig sind und folgerichtig auch die Vorsteuer nicht von der eigenen Steuerschuld absetzen können, also die meisten von uns.

Wer selbst Umsatzsteuer zahlen muss, weil er im Vorjahr mehr als 16620,- Euro umgesetzt hat, kann diese Vorsteuern zwar absetzen, muss seinen Kunden aber natürlich auch den höheren Satz berechnen. Verkauft er ein Pferd an einen nicht umsatzsteuerpflichtigen Hobbyreiter, wird der sich nur für den Endpreis interessieren. Und von den 3000 brutto, die der zu zahlen bereit ist, muss der Verkäufer nun nicht die darin steckenden 7% sondern 16% an Herrn Eichel abführen, es bleibt also weniger übrig.

Nicht betroffen von der Erhöhung ist das Halten und die Aufzucht von Vieh sowie die Beteiligung an Leistungsprüfungen. Die Rennpreise werden also weiterhin dem 7%igen Satz unterliegen.Schwierig wird's bei Pachtpferden, für die die Pacht (16%) aus dem Gewinn (7%) bezahlt wird. Fragen Sie Ihren Steuerberater.

Dieses "Steuervergünstigungsabbaugesetz - StVergAbG" befindet sich derzeit zwar noch in der Gesetzesmachmaschinerie, mit Verbesserungen ist jedoch kaum zu rechnen.
 
Pachtung und Kauf aus dem Gewinn

Über Pachtverträge und Käufe aus dem Gewinn gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten. Wir haben Musterverträge entworfen, die auf alle Eventualitäten hinweisen und den Parteien die Wahl lassen, sich für die eine oder andere Lösung zu entscheiden. Sie finden diese auf unseren Internetseiten.
 
Missbrauch der Trainerlizenz

Die alten Hasen unter uns werden sich erinnern, wie schwer es war, gegen alle Widerstände den jetzigen Freiraum der Ziffer 205 RO zu erkämpfen. Dieses Hinweg von der ursprünglichen Klausel "die ihm uneingeschränkt zu Eigentum gehören" zur Formulierung "die ihm ....(und seiner Sippschaft) zu Besitz gehören", beinhaltet die Möglichkeit, auch gepachtete Pferde zu trainieren.

Damit es keinen Zweifel gibt: bei einer Pacht fließt immer das Geld vom Pächter an den Verpächter - niemals umgekehrt. Immer wieder gibt es gewagte Konstruktionen, mit denen Inhaber einer Besitzertrainerlizenz versuchen, diese Bestimmung auszuhebeln und gegen Entgelt für andere zu trainieren. Auch eine Teilhaberschaft musste schon dazu herhalten. Wir haben Verständnis für die Sorge der Berufstrainer, dass eine Aufweichung der Voraussetzungen für die Besitzertrainerlizenz deren Existenz bedroht und wenden uns entscheiden gegen solche Experimente.

Das Ergebnis solcher Versuche war ein Antrag, die Ziffer 205 wieder auf die Eigentumsfrage zurückzufahren, mit einem juristisch ausgefeilten, für den Normalbürger aber grausigen Text. Wir konnten den alten Zustand erhalten, mit der Einfügung, dass die trainierten Pferde dem Besitzertrainer oder seinen Angehörigen "allein oder miteinander" zu Besitz gehören. Teilhaberschaften mit anderen schließt das Training aus.
 
Direktoriumsvorstand

In unserer letzten Mitgliederversammlung wurde beschlossen, eine Änderung der Direktoriumssatzung zu beantragen, mit dem Ziel, den beiden Amateurverbänden (Reiter und Trainer) Sitz und Stimme im Direktoriumsvorstand einzuräumen. Natürlich wurde dieser Antrag abgelehnt, weil ohnehin neue Vorstandsstrukturen angedacht seien. Wir bleiben dieserhalb am Ball.
 
Marketing

Ulrich Metzger von der bloodhorse-marketing sucht regelmäßig Vollblüter zu kaufen, die von der Bahn genommen werden. Email-Adresse MetzgerUlrich@aol.com.
 
Championat

Traditionell verwenden wir für die Championats-Wertung der Besitzertrainer einen anderen Zählmodus als üblich, nämlich alle Rennen (A und B, Flach- und Hindernisrennen zusammen). Wir sind bemüht, diese Wertung auch ständig fortgeschrieben in die "Sportwelt" zu bringen. Der Verlag ist bereit dazu, Voraussetzung ist jedoch eine entsprechende Programmänderung in der Direktoriums-EDV, die kostenträchtig ist, aber bei der nächsten Überarbeitung eingebaut werden soll.
 
Phantomlohn

Viele von uns werden zur Mithilfe im Betrieb auf geringfügig Beschäftigte nach dem 325-Euro-Gesetz zurückgreifen. Seien Sie vorsichtig, wenn Sie diese Obergrenze voll ausschöpfen. Wenn Tarifverträge oder Gepflogenheiten eine Weihnachtsgratifikation vorsehen, dann gehen die Sozialversicherungsträger davon aus, dass auch Ihr Geringfügiger das bekommt, gleichviel, ob er drauf verzichtet hat oder nicht. Damit ist dann aber die Geringfügigkeitsgrenze überschritten und das Aushilfsverhältnis wird voll steuer- und beitragspflichtig. Das kann für den Prüfzeitraum von vier Jahren zu Nachzahlungen im vierstelligen (DM-)Bereich führen.
 
Steuernummer auf Rechnung

Seit dem 1.7.2002 muss auf einer Rechnung mit Vorsteuern die Steuernummer des Ausstellers angegeben sein (Gesetz zur Bekämpfung von Steuerverkürzungen). Diese ziemlich unsinnige Bestimmung wird energisch von den Verbänden kritisiert und bekämpft, von vielen Unternehmern auch einfach ignoriert. Die Finanzverwaltung hat angekündigt, vorerst keine Sanktionen (z.B. Verwehrung des Vorsteuerabzuges) vorzunehmen. Mit Sicherheit werden aber solche Sanktionen irgendwann kommen, und je mehr Steuerrebellen sich dagegen sträuben, desto eher. Sie sind gut beraten, wenn sie solche unvollständigen Rechnungen zurückweisen und auf korrekter Ausstellung bestehen.
 
Betriebsübergabe

Wenn Sie einen bestehenden Betrieb übernehmen, dann übernehmen Sie damit auch alle bestehenden Arbeitsverträge. Wenn Sie Ihren Betrieb an einen Nachfolger übergeben wollen, müssen Sie Ihre Mitarbeiter darüber informieren, und diese haben ein Einspruchsrecht, das dazu führen kann, dass Sie trotz der Betriebsaufgabe alle arbeitsrechtlichen Rechte der Mitarbeiter weiter erfüllen müssen.
 
Arbeitsvertrag und Kündigung stets schriftlich

Nach dem sogenannten "Nachweisgesetz" muss ein Arbeitsvertrag schriftlich alle wesentlichen Punkte des Beschäftigtenverhältnisses festhalten. Besteht ein solcher Vertrag nicht, wird der Arbeitsrichter dem ausscheidenden Mitarbeiter alles über Lohnvereinbarungen glauben, was er vorträgt. Und Sie zahlen nach!

Auch eine Kündigung muss - ob fristgerecht oder außerordentlich und fristlos - schriftlich erfolgen. Ansonsten ist sie wirkungslos. Auch dann, wenn der Geschasste Ihrer Aufforderung "Scher dich vom Hof, sonst mach ich die Hunde los" prompt gefolgt ist. Und das kann teuer werden.
 
Mit allen guten Wünschen für das kommende Jahr

Ihr
Hans-Heinrich Jörgensen
Vorsitzender
 
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