Startseite Impressum
Verein Deutscher Besitzertrainer
 
 
Rundbriefe
 
Rundbrief Dezember 2004

Liebe Besitzertrainerinnen und –trainer,

wenn Sie diesen Brief nicht mit der Post bekommen haben, sondern nur bei einem Trainerkollegen sehen, dann gehören Sie zu den rund 40 Besitzertrainern, die wir mangels aktueller Adresse oder mangels Konto oder Beitragszahlung aus unserer Datei streichen mussten. Und dann dürfte es 2005 Probleme mit Ihrer Lizenz geben, denn für die ist die Mitgliedschaft in Ihrer Interessenvertretung laut Rennordnung Pflicht.

Es ist nicht zu übersehen, die desolate Lage des Rennsports hat manchen Besitzertrainer und manchen Besitzer im vergangenen Jahr veranlasst, die Flinte ins Korn zu werfen und sich aus dem Sport zurückzuziehen. Auch unser langjähriger 2. Vorsitzender Wolfgang Schneeloch ist nicht mehr aktiv und hat darum sein Amt zur Verfügung gestellt. Neue 2. Vorsitzende ist seit der letzten Mitgliederversammlung Liliane Wied aus Roetgen, in den Vorstand nachgerückt ist Karen Kaczmarek aus Bad Harzburg. Ein Dankeschön an Wolfgang Schneeloch für die Zusammenarbeit.

Ein Wort bei der Gelegenheit zur Besonderheit der Besitzertrainerlizenz. Immer wieder wird uns der Verdacht zugetragen, dass es Besitzertrainer gibt, die nicht nur ihre eigenen Familienpferde trainieren, sondern mit getürkter Besitzwechsel- und Pachtungsanzeige auch fremde Pferde. Das ist keineswegs in unserem Sinne, gibt es doch zu Recht Grund und Anlass, die mühselig erkämpften Rechte und Freiheiten der Besitzertrainer wieder einzuschränken. Es schadet allen! In solchem Fall ist nicht mit unserer Hilfestellung zu rechnen. Ganz eindeutig: ein Pachtvertrag ist kein Pachtvertrag sondern ein fingierter Trainingsvertrag, wenn Geld vom Verpächter an den Pächter fließt.

Es bewegt sich etwas im Rennsport: die Umsätze nach unten - und mit ihnen die Rennpreise. In den tragenden Verbänden dreht sich das Personalkarussel immer schneller. Dabei ging es weniger um Sachentscheidungen als vielmehr um die Frage, wer mit wem kann oder nicht kann. Einige Köpfe sind gerollt. Aber kein Zweifel, den alten wie den neuen Führungsmannschaften auf Rennvereins- und Besitzerseite steht der Sinn mehr nach Gruppe- als nach Basisrennen. Um so wichtiger bleibt unsere Aufgabe, immer wieder mit erhobenem Zeigefinger zu mahnen, dass es keinen Spitzensport ohne breites Fundament geben kann. Und dass der Sport in seiner Gesamtheit gefährdet ist, wenn wir die Pflege dieses Fundaments aus den Augen verlieren. Wozu ein unterhöhltes Fundament führt, haben wir gesehen. Bekanntlich hat ja nun auch Köln seinen schiefen Turm, nicht nur Pisa.

Apropos Schieflage. Die Ursache für die "Schieflage" des Rennsports hat ja kürzlich mit außerordentlichem Scharfsinn ein Berliner Trainer erkannt und der "Sportwelt" in einem Interview anvertraut: die Zunahme der Amateurrennreiter und Besitzertrainer. Solche Analyse hat auch mit Pisa zu tun, diesmal allerdings nicht mit dem berühmten Turm, sondern mit jener Schul- und Bildungsstudie, die derzeit alle Gemüter bewegt.

Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen: die fast eintausend Pferde, die derzeit bei Besitzertrainern stehen, stünden nicht im Stall der Profis, wenn es die Besitzertrainer nicht gäbe, sie würden als Spazierpferde durch Wald und Heide tingeln, und der Rennsport wäre um rund ein Drittel seines Pferdebestandes beraubt. Es ginge den Jockeys noch schlechter als jetzt, und wer nicht Asien-fit ist wäre arbeitslos. Winterrennen gäbe es nicht mehr, ungezählte Rennen würden mangels Teilnehmer ausfallen. Das Bemühen um Medienpräsenz rutschte in den Keller - und der Umsatz auch. Die Quelle für den rennsportlichen Nachwuchs - an Reitern und Besitzern - würde versiegen. Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass der gesellschaftliche Wandel am Eingang der Rennbahnen nicht Halt macht. Die Zeit des reinen Profi-Sportes, mag man noch so wehmütig dran zurück denken, ist ein für alle Mal vorbei. Ohne Amateure - im Reiter- und Trainerlager - hat der Rennsport keine Zukunft.

Wir werden darum auch unseren vor zwei Jahren abgelehnten Antrag auf Sitz und Stimme im Direktoriumsvorstand für die beiden Amateurverbände wiederholen. Dieser Antrag wurde seinerzeit mit Hinweis auf eine geplante Reorganisation des Vorstandes "auf Eis gelegt". Die neuen Köpfe der jetzt dort vertretenen Parteien scheinen schon an einem neuen Modell zu stricken. Ich erlaube mir darum den Hinweis, dass zwar die freie Wahl eines Vorstandes unanfechtbar ist, die satzungsmäßige Festschreibung eines Vorstandes aber sehr wohl an vereinsrechtliche und steuerliche Spielregeln gebunden ist, an Spielregeln, die eine Aussperrung großer Teile der Mitgliederschaft nicht hinnehmen.
 
Wettrennen oder Galopprennen?

Ebenfalls in einem "Sportwelt"-Interview hat ein norddeutscher Rennvereins-Berater etliche sehr vernünftige Dinge gesagt. Bei dem Versuch, die Wichtigkeit der Wetten für die Finanzierung der Rennen herauszustellen, unterlief ihm dann ein unglücklicher Zungenschlag: "Wir veranstalten Wettrennen - keine Galopprennen" - was dann auch prompt zur Titelzeile avancierte, womit dem Sport ein Bärendienst erwiesen wurde, wie darauf folgende Diskussionen im zuständigen Landesparlament zeigten. Fraglos spielt der Wettumsatz eine wesentliche Rolle in der Bilanz eines Rennvereins. Aber wir sollten schon auf die Frage achten, was denn nun Mittel zum Zweck ist. Unterhalten und trainieren wir sehr kostenträchtig unsere Pferde, um den Rennvereinen das Wettgeschäft zu ermöglichen? Oder betreiben die Vereine das Wettgeschäft, um den Vollblutpferden wenigstens einen kleinen Teil des Futtergeldes zu erwirtschaften? Damit hier nichts auf den Kopf gestellt wird sollten möglichst viele Besitzer auch in den Rennvereinsvorständen aktiv werden. Rennvereine und Besitzer sind keine Gegner, auch wenn in den Gremien des Rennsportes manchmal dieser Eindruck entsteht. Nur im Miteinander - auch bei manchmal schmerzlichen Einschnitten - können Rennveranstaltungen verlustfrei abgewickelt werden, wobei sich allerdings manchmal die Frage stellt, ob denn die Einschnitte am richtigen Ende vorgenommen werden.

Ein insolventer Rennverein ist weit mehr als ein lokales Problem. Wenn die fürchterlich traurige Notlösung einer Insolvenz sich zur scheinbaren Patentlösung mausert, mit der man 'mal eben die Altlasten abwerfen kann, um am gleichen Ort mit neuer Mannschaft neu mit dem Schuldenmachen zu beginnen, dann gerät der Rennsport in seiner Gesamtheit ins Zwielicht und verschreckt Banken, Politiker und potentielle Sponsoren gleichermaßen.
 
RO-Änderungen, Besondere Bestimmungen

Ziffer 12
Schon im vergangenen Jahr konnte der Ausgleicher nach der Vorstarterangabe alle Gewichte soweit anheben, dass das Höchstgewicht auf 60 kg stieg. Diese Konzession an die Gewichtsprobleme der Reiter ist auf Altersgewichtsrennen ausgedehnt worden. Dort kann nach der Vorstarterangabe das Grundgewicht soweit heraufgesetzt werden, dass der "Rausgucker" maximal 58 kg trägt.

Ziffer 21
Nachnennungen sind bislang nur bis zur Vorstarterangabe möglich, bis zum Nachmittag kann der Rennverein g.F. weitere Starter akquirieren. Danach geht nichts mehr. Jetzt besteht in den Wintermonaten (November bis Februar) für ausgeschiedene Pferde oder Pferde, die in ausgefallenen Rennen genannt waren, die Möglichkeit, am Tag der endgültigen Starterangabe noch in ein anderes Rennen zu schlüpfen.

RO Ziffer 240
Für Amateurrennen der Klasse A wird in Zukunft neben der 5%igen Gewinnabgabe auch ein Reitgeld in Höhe von 25 Euro erhoben, das an den Verband Deutscher Amateurrennreiter e.V. fließt. Im vorvergangenen Jahr war zudem die Erstattung der abgeführten Gewinnprozente aus Ritten auf eigenen Pferden gestrichen worden. Diese Erstattung, so sichert der Verband zu, soll nun jedoch wieder erfolgen. Es bleibt aber die betrübliche Tatsache, dass die Teilnahme an Amateurrennen sich deutlich zu Lasten der Besitzer(trainer) verteuert. Bleibt zu hoffen, dass sich das Nennverhalten nicht so sehr verändert, dass Amateurrennen ausfallen müssen oder nur noch als B-Rennen stattfinden.

Ziffer 407
Ein Pferd ist jetzt nach der Schutzimpfung nicht mehr 7, sondern nur noch 4 Tage gesperrt.

Ziffer 480
Hufnägel dürfen nicht mehr als 2 mm herausstehen.
 
Und ein paar Tipps zum Steuer- und Sozialversicherungsrecht
 
Beitragssätze zur Krankenkasse und den Umlagen U1 und U2

Bei einigen Krankenkassen haben sich die Beitragssätze geändert. Fragen Sie g.F. bei Ihrer Kasse nach. Erfreulich: die für den Minijob zuständige Knappschaft hat die Umlagen U1 (für Lohnfortzahlung) und U2 (für Mutterschaft) sogar deutlich gesenkt. U1 = 0,1% und U2 = 0,0%. Offenbar werden Minijob-Beschäftigte nicht mehr schwanger.
 
Neue Lohnsteuersätze

Auch erfreulich: 2005 werden die Lohn- und Einkommensteuern etwas gesenkt. Sie sollten also nicht einfach die bisherigen Lohnsteuerabzüge fortschreiben, sondern einen Blick in die neuen ab 2005 geltenden Lohnsteuertabellen tun. Und die Anmeldung der abzuführenden Lohnsteuer kann nur noch im Ausnahmefall (auf Antrag) schriftlich erfolgen. Normalfall ist die elektronische Übertragung an das Finanzamt mit dem Programm ELSTER (Nomen est omen).
 
Zuwanderungsgesetz

Auch nach der EU-Erweiterung gen Osten bleibt es beim Beschäftigungsverbot für Arbeitnehmer aus den neuen Beitrittsländern. Ausnahme: der Berufssportler, wenn er über ein Mindesteinkommen verfügt, das bislang auf einem Beschluss der Landesinnenminister fußte und nun in das Gesetz und die dazu gehörenden Verordnungen eingebaut ist. Danach muss der Monatslohn des Berufssportlers mindestens 50% der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung betragen, also 2600,- Euro brutto.
 
Ich-AG

Der Weg, über bezuschusste Lehrgänge Pferdewirtschaftsmeister und damit Berufstrainer zu werden, ist schwerer geworden. Da in der Vergangenheit viele Ich-AGs schnell in die Insolvenz führten, muss jetzt, um Zuschüsse und Förderung zu erlangen, eine Umsatz- und Rentabilitätsvorschau, vor allem aber eine Tragfähigkeitsbescheinigung der zuständigen Kammer vorgelegt werden. Und die Kammer weiß, dass eine neue Trainer-Existenz nur dann tragfähig ist, wenn der Kandidat auf eine ganz tolle Reiterkarriere zurück blicken kann - oder das Erbe eines Trainingsbetriebes antritt.
 
Beitrag zur Pflegeversicherung

Ab 1. Januar erhöht sich der Beitrag zur Pflegeversicherung von 1,7% auf 1,95% des Bruttolohnes. Diese Erhöhung von 0,25% muss jedoch nur der Arbeitnehmer zahlen, nicht wie bisher halbe/halbe. Damit ist das Prinzip der Halbierung der Sozialversicherungsbeiträge durchbrochen. Zur Pflegeversicherung zahlt also der Arbeitgeber nach wie vor 0,85%, der Arbeitnehmer 1,1%. In Kleinbetrieben wird der angestrebte Nutzen, nämlich die Verminderung der Lohnnebenkosten, durch die erschwerte Berechnung wieder aufgefressen. Damit es noch etwas komplizierter wird: nicht alle müssen diese Beitragserhöhung zahlen. Wer unter 23 Jahre alt ist, also noch kaum Kinder kriegen konnte, wer über 64 Jahre alt ist, also kaum noch Kinder kriegen kann, und wer Wehrdienst leistet, also kaum Gelegenheit zum Kinderkriegen hat, ist davon befreit. Vor allem aber ist befreit, wer Kinder hat oder hatte. Sofern das nicht schon aus dem Kinderfreibetrag der Lohnsteuerkarte ersichtlich ist, müssen Sie sich das irgendwie, wie auch immer, nachweisen lassen.
 
Neue Zähne

Der nächste Schritt zur Komplizierung der Lohnabrechnung wird zum 1.7.2005 erfolgen. Dann sinken die bisher paritätisch getragenen Krankenkassenbeiträge um 0,9%, gleichzeitig erhöhen sich die Krankenkassenbeiträge wieder um 0,9% nur für den Arbeitnehmer. Zweck der Übung: da der Chef das Zähneputzen nicht überwachen kann, soll der Arbeitnehmer sein künstliches Gebiss gefälligst allein bezahlen. Viel Spaß beim Berechnen!
 
Rentenversicherung mit und ohne Schlips

Die bisherige Trennung von Arbeitern (ohne Krawatte) und Angestellten (mit Krawatte) in der Rentenversicherung wird aufgehoben. Die Versicherungen (LVA, BfA) werden neu gegliedert. Damit entfällt in Zukunft die Unterscheidung bei den An- und Abmeldungen sowie der Jahresmeldung, ebenso bei der Beitragsabführung.
 
Fahrten zur Arbeit nicht mehr steuerfrei

Die Fahrtkosten von der Wohnung zum Arbeitsplatz konnte bislang steuer- und versicherunsfrei zusätzlich zum Lohn vom Arbeitgeber ersetzt werden. Das ist ab 2005 nicht mehr möglich. Diese Beträge sind in die Steuer- und Beitragsberechnung einzubeziehen, wobei die fällige Lohnsteuer allerdings mit 15% pauschaliert werden kann.
 
Sachbezüge

Der bei der Berechnung der Lohnsteuer und Sozialabgaben anzusetzende Wert für Sachbezüge wird jährlich neu festgesetzt. Für 2005 gelten folgende Euro-Werte:
 
  West Ost
Unterkunft, z.B. Zimmer 194,20 178,00
Verpflegung voll 200,30 200,30
zusammen 394,50 378,30
 
Für Auszubildende und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr sind die Sätze für Unterkunft um 15% zu kürzen, jedoch nicht die Verpflegungssätze. Offenbar nimmt Vater Staat an, dass Jugendliche beim Schlafen enger zusammenrücken. Dass der "Gewicht machende" Rennreiter nur ein Salatblatt kaut, ist kein Argument für Abstriche.
 
Umsatzsteuer für Pensionspferde jetzt 16%

Auf Grund eines Urteils des Bundesfinanzhofes (also höchste Instanz) beträgt der Umsatzsteuersatz für das Einstellen von Pensionspferden ab 2005 nicht mehr 7% sondern 16%. Auch die Anwendung der Pauschalbesteuerung der Landwirte mit 9% ist dafür nicht mehr möglich. Die Teilnahme an Leistungsprüfungen (Rennen) ist davon nicht betroffen (siehe WRK S. 23359 ff. in 2004).
 
Trotz aller Widrigkeiten: wer Rennen gewinnen will, muss vorwärts reiten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erfolgreiches Rennjahr 2005.

Mit freundlichen Grüßen
Hans-Heinrich Jörgensen
Vorsitzender
 
« zurück
    |  copyright © Verein Deutscher Besitzertrainer e.V. - Vereinssitz Köln  |  design by DANZ Kreative Medien  |