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Rundbriefe
 
Großenkneten, zum Jahreswechsel 2008/2009

Liebe Besitzertrainerinnen und –trainer,

die alte politische Weisheit, dass es leichter ist, Opposition zu machen als zu regieren, hat auch im Rennsport Gültigkeit. Es ist ein leichtes, aus der Opposition heraus Fragen zu stellen oder Kritik zu üben, der Beifall aller Unzufriedenen ist einem sicher. Bessere Lösungen zu bieten und schließlich auch durchzusetzen ist ungleich schwerer.

Seit 2008 haben nach langem Bemühen die Amateurreiter und Amateurtrainer endlich Sitz und Stimme im Direktoriumsvorstand und konnten - oder mussten - an allen Beschlüssen mitwirken, also auch die Mitverantwortung tragen.

Es ist nicht zu übersehen, dass sich weithin Unzufriedenheit ausbreitet. Kritische Fragen werden gestellt, manchmal auch nur Kritik geübt. Ich will versuchen, ein paar gestellte und auch nicht gestellte Fragen zu beantworten, soweit das möglich ist.

Beherrschendes Thema ist die desolate finanzielle Lage des Rennsportes. Es mag ja sein, dass es in der Vergangenheit Versäumnisse, Fehler, schlecht gestrickte Verträge und auch die Befriedigung vorrangiger Eigeninteressen gegeben hat. Manches davon konnte ausgebügelt werden, manches hat unauslöschliche Spuren hinterlassen. Das Hauptproblem ist jedoch der rapide Rückgang der Wettumsätze, aus deren Erträgen der Rennsport wesentlich mitfinanziert wird. Wenn der Wettumsatz von 2007 zu 2008 um rund neun Millionen Euro rückläufig war, bedeutet das in den Kassen der Rennvereine und des Direktoriums ein Loch von rund einer Million.

Daran ist nicht die Finanzkrise schuld, sondern die technische Entwicklung, die es möglich macht, per Knopfdruck oder Klick am Rennsport und an der Steuer vorbei ins Ausland oder auch nur ins Hinterzimmer zu wetten oder Wetten zu vermitteln. Es sei auch nicht verschwiegen, dass mancher, der lauthals über die missliche Situation klagt, beim Wetten selbst fremdgeht.

Das Defizit aus den Wetterträgen durch Sponsoren und verkaufte Werbung auszugleichen, ist auch nicht gerade leichter geworden. Da mag der Börsen-Crash in 2008 erschwerend gewirkt haben, denn wenn ein Industriezweig von der Regierung gestützt werden möchte, wird er sich schwer tun, größere Beträge zu sponsern.

Wir müssen den Rennvereinen hoch anrechnen, dass sie in dieser Lage nicht nur Rennen gestrichen, Renntage gecancelt und Rennpreise gesenkt haben, sondern sich mutig in Schulden gestürzt haben, oft bis an die Grenze des Möglichen – und hier und da sogar drüber hinaus.

Das ganze löst einen Circulus vitiosus, einen Teufelskreis, eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, aus. Weniger Rennen, weniger Verdienstmöglichkeiten für Besitzer, weniger Pferde, schlechter besetzte Rennen, weniger Umsatz ...

Alle sind sich einig, es muss etwas geschehen! Darum wurde vor zwei Jahren auch ein Manager von außen geholt, der weder eigene Interessen vertritt noch bereits in rennsportlichen Funktionen „verbrannt“ war. Diese beiden Bedingungen waren auch unser erklärtes Anliegen. Seine Aufgabe, die bereits angedachte „Strukturreform“ in trockene Tücher zu bringen, ist sicher keine leichte. Umso leichter ist es jedoch, zu bemängeln, dass sie noch nicht gelöst ist.

Lassen Sie uns auch hier die Probleme ausleuchten: Ziel der Strukturreform ist es zum einen, durch zentrale Veranstaltung und Vermarktung der Renntage Synergie-Effekte zu nutzen, bessere Abstimmungen zu erzielen, Einsparungen zu schaffen und die Wirtschaftlichkeit zu fördern. Vor allem aber soll eine rennsport-eigene Wettplattform geschaffen werden, um die ins Nirwana verschwundenen Umsätze in den Sport zurück zu holen. Die Hoffnung, durch Gesetze Wettumsätze wieder richtig zu kanalisieren, ist längst zerflossen. Aus dem einstigen Monopol des Pferdesportes ist ein Anteil im Promille-Bereich am Glücksspielkuchen geworden.

Der Aufbau einer rennsport-eigenen Wettkette mit Läden und Internet-Angebot setzt aber einen erheblichen Kapitalaufwand und technische Kompetenz voraus, den weder die Rennvereine noch das Direktorium erbringen können. Traurig eigentlich, dass es nie gelungen ist, kapitalkräftige Aktive des deutschen Rennsports unter einen Hut zu bringen, um eine solche Kapitalgesellschaft zu gründen. Also wurde nach allen Seiten verhandelt, bis sich ein möglicher Investor in Partnerschaft mit einem erfahrenen Dienstleister, der über das know how verfügt, fand. Eine Baustelle mit vielen Tücken tat sich auf.

Im Direktorium mussten die sehr unterschiedlichen Interessen der Rennvereine, selbst untereinander noch unterschiedlich, der Besitzer und der Aktiven gebündelt werden, und zwar so, dass in jedem Fall der Rennsport die Mehrheitsrechte behält. Der Investor musste seine Geldgeber und seinen vorgesehenen Dienstleister verehelichen, noch dazu nach ausländischem Recht, während alle Verträge hierzulande natürlich nach deutschem Recht abzuschließen sind, und diese wiederum müssen allgemein rechtlich, steuerrechtlich und kartellrechtlich stimmig sein und dieses durch Gutachten und den Segen der Behörden bestätigt bekommen.

Das kostet Zeit und Geld und mit jedem geänderten Komma, um das man gerauft hat, sind neue Prüfungen nötig, die wiederum zu neuen Verzögerungen führten. Es sei auch nicht verschwiegen, dass mancher, der selbst zu Verzögerungen beigetragen hat, diese hinterher lautstark öffentlich beklagte.

Im November schien alles unterschriftsreif zu sein, der Notariatstermin stand fest, die Unterzeichner waren angereist, als unversehens Irritationen zwischen dem Investor und dem vorgesehenen Dienstleister entstanden, die zu neuen Verhandlungen zwangen, sowohl mit den bisherigen Verhandlungspartnern wie auch nach mehreren anderen Seiten, mit denen auch früher schon – leider ergebnislos – verhandelt wurde. Von einem „endgültigen Scheitern“ kann nicht die Rede sein, wohl aber von einer neuen Situation.

Möglicherweise hat ja auch die internationale Finanzkrise dazu beigetragen, das Einsammeln der geplanten Investitionssumme zu erschweren. Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein positives Signal wäre, wenn einige der deutschen Rennsport-Millionäre sich ebenfalls beteiligen würden. Dass das nicht geschieht macht deutlich, wie problematisch es ist, in ein nicht gerade blühendes Unternehmen zweistellige Millionenbeträge zu investieren ohne zugleich die Mehrheit und das Sagen zu bekommen.

Mehr Transparenz wird öffentlich eingefordert. Das ist verständlich, bestimmt doch die Zukunft des Rennsportes auch eigene Entscheidungen, was Zucht und Pferdekauf betrifft, und es wäre an mancher Stelle sicher auch hilfreich, beschwichtigend und Hoffnung spendend gewesen. Doch kann man nicht verkennen, dass inmitten von Verhandlungen, in denen beide Seiten um die bestmögliche Position ringen, eine öffentliche Diskussion auch zum Störfeuer werden kann, schlimmstenfalls sogar das ganze Projekt torpedieren kann.

Bei Fusionsgesprächen dieser Größenordnung ist es üblich, Verschwiegenheit nach außen zu wahren, sich dazu auch zu verpflichten, weil beide Partner sich ja weithin entblößen müssen. Wie jede Braut vor dem Gang zum Altar Exklusivität verlangt, sichert man sich auch bei wirtschaftlichen Fusionen Exklusivität der Verhandlung zu, zumindest zeitlich begrenzt. Diese Exklusivität ist inzwischen ausgelaufen, was größeren Gesprächsspielraum auch nach anderen Seiten hin öffnet. Natürlich wird davon Gebrauch gemacht. Mit den Buchmachern und bestehenden Internet-Wettanbietern, die ja ihr Geschäft mit dem Primärprodukt Pferderennen betreiben, sind neue Verträge ausgehandelt, die das derzeitige Missverhältnis zwischen Bildnutzung und Wettvermittlung wieder besser austarieren sollen. Ein ganz kleiner Lichtschimmer zeigte sich bei den beiden letzten Renntagen 2008.

Große Verärgerung hat die Erhöhung des Nenngeldes um ein weiteres Prozent auf nunmehr 2,5 % für die Winterrennen ausgelöst. Ein paar erklärende Worte im Wochenrennkalender hätte die Wogen glätten können. Diesem ungeliebten Beschluss habe ich zugestimmt, die Alternative wäre der völlige Wegfall der Winterrennen gewesen. Das wäre nicht nur ein schmerzlicher Verlust für Reiter, Trainer und Besitzer, darunter besonders viele Besitzertrainer, gewesen, es wäre unter dem Strich auch teurer geworden, denn etliche Kosten, wie Gehälter, Satellitenmiete usw. laufen ja weiter, ob nun Rennen stattfinden oder nicht. Auch stellt sich die Frage, wie das Publikum auf 4 Monate Rennsport-Abstinenz reagiert.

Die Winterrennen werden, wie in der Strukturreform geplant, bereits von den Wirtschaftsdiensten des Direktoriums getragen. Für den einzig veranstaltenden Rennverein wäre das tödlich gewesen, denn jeder Renntag fährt einen Verlust von 20 bis 30 Tausend Euro ein. Das zusätzliche Nenngeld steckt sich niemand als zusätzlichen Gewinn in die Tasche, es schmälert allenfalls den Verlust, zum Wohle der Aktiven. Ich kenne einige Rennarten, bei denen der Selbstfinanzierungsanteil über Nenngelder ungleich größer ist, z.B. die hoch dotierten Renen mit langem Nennungsschluss.

Wir alle, die wir Rennpferde halten, wissen, dass der wahre Finanzier des Sportes nicht die Wetter sind, sondern die Besitzer. Die Kosten der Zucht, Aufzucht, des Trainings und schließlich der Gebühren, Nenngelder und Abzüge machen ein Vielfaches der möglichen Rennpreise aus. Und doch tun wir das wider alle Vernunft, weil die Faszination dieses Sportes uns gepackt hat. Schade um jeden, der aus Frustration oder momentaner Verärgerung die Bühne verlässt. Der Rennsport hat Inflationen, Krieg und Vertreibung, Wirtschaftskrisen und Börsen-Crashs überstanden, er wird auch die jetzige Talsohle überstehen. Etwas Optimismus und Vertrauen in die Zukunft ist der Schlüssel zur Überwindung von Krisen, ob in den Bankvierteln, in der Wirtschaft oder im Rennsport. Darum: bleiben Sie im Boot!
 
Das Championat der Besitzertrainer ging 2008 mit 19 Siegen an mich selbst. Ich bin stolz darauf, vor allem aber in Erinnerung an Jahre, da mein Name sich mehr dem unteren Ende der Skala näherte dankbar, dankbar meinen Pferden, meiner Familie und meinen Mitarbeitern, die alle dazu beigetragen haben.

Dicht auf den Fersen waren mir Uwe Schwinn mit 15 Siegen, Matthias Schwinn mit 12 Siegen, Markus Klug und Christof Schleppi mit je 9 Siegen.

Allen Kollegen, die mit ihren Pferden mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich, im vergangenen Jahr den Rennsport mit getragen haben, ein Dankeschön für ihren Einsatz und ihre Opferbereitschaft und viel Erfolg im neuen Jahr.
 
Mit freundlichen Grüßen

Hans-Heinrich Jörgensen
Vorsitzender
 
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