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Rundbriefe
 
Großenkneten, September 2009

Liebe Besitzertrainerinnen und –trainer,

zuerst die gute Nachricht: die neue Rennordnung in der Fassung von Juni 2009 ist gedruckt und beim Direktorium zu erwerben oder für Kompakt-plus-Abonnenten aus dem Internet herunterladbar. Die erschreckende Fülle der letzten Änderungen müssen Sie nicht per Hand einarbeiten. Bei den meisten handelt es sich ohnehin um sprachliche Bereinigungen, um die übersichtliche Zusammenfassung von Bestimmungen, die bislang an verschiedenen Stellen bis hin zu den Besonderen Bestimmungen zu finden waren, und um Aktualisierungen. Ein weiterer Teil ist aus der neuen Kategorisierung der Rennen entstanden. Dabei ist der Begriff B-Rennen weggefallen, wodurch natürlich auch jede RO-Ziffer korrigiert werden musste, in der von Rennen der Klasse A die Rede war. Ich will versuchen, die wenigen wichtigen substanziellen Änderungen, die dadurch entstanden sind, zusammenzufassen:

Ziffer 195 entfällt, das war die B-Lizenz für Arbeitsreiter aus dem Ostblock, die sonst hier nicht hätten arbeiten dürfen.

In Ziffer 207 ist die Anmeldung bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft dem Direktorium mit der Trainingsliste bzw. dem Lizenzantrag nachzuweisen.

Ziffer 220 schützt den Trainer davor, dass seine Rechte aus der Rennordnung durch Einzelverträge eingeschränkt werden.

Ziffer 228 sieht keine Reiterbegrenzung (bisher 10 Siege) in B-Rennen, jetzt F-Rennen, mehr vor. Wenn ein Spitzenjockey in Billigheim reiten will, darf er.

In Ziffer 234 wird der Anspruch auf das halbe Reitgeld bei ausgefallenem Ritt auch auf den Verband Deutscher Amateurrennreiter ausgeweitet.

Ziffer 238 erweitert die 15 Erstritte von Amateuren, die den Weg in alle Rennen frei machen, von B- und Amateurrennen auf alle F-Rennen.

Ziffer 243: Für die Zulassung zu Fegentri-Rennen zählen auch die Siege in B-Rennen

Ziffer 260: In Nachwuchsrennen dürfen nur noch wirkliche Azubis und ausgelernte Rennreiter im Jahr der Prüfung und im Jahr danach reiten, und nicht mehr jene Urgroßväter, die es nie auf 30 Siege gebracht haben.

Ziffer 263: Die Mindestdotierung für alle Rennen ist von 1000,- Euro auf 1200,- Euro angehoben.

In Ziffer 371 fällt in Hindernisrennen die Gewichtserlaubnis für Pferde, die 2- und 3-jährig nicht gelaufen sind, weg.

In Ziffer 382 gilt die abweichende Reiter-Erlaubnis-Staffel (5/10/15 Siege) nur noch in Nachwuchs- und Amateurrennen, nicht mehr in Halbblutrennen.

Und ab 2009 zählen für den Titel Jockey wie auch für die Championatszählung alle Siege, auch F-Rennen in der alten Klasse-B-Dotierung.

Diese letzte Regel, die nicht Sache der Rennordnung sondern des Trainer- und Jockey-Verbandes ist, hat insbesondere im Südwesten, der Hochburg der Besitzertrainer, Staub aufgewirbelt. Einige Kollegen sehen sich durch einen ganz bestimmten Trainer ihrer Chancen beraubt und haben bei ihren heimischen Rennvereinen eine Ausschließungsklausel in den Ausschreibungen durchgesetzt, die Pferden von Trainern, die 20 Siege an ihre Fahne heften konnten, die Tür vor der Nase zuschlägt. Den gleichen Fehler habe ich selbst vor zwanzig Jahren beim Oldenburger Landesrennverein gemacht, später war der Verein froh, dass die zuvor ausgesperrten Trainer mit ihren Pferden kamen. Auch im pferdereichen Südwesten kann das bei den immer weniger werden aktiven Pferden darauf hinauslaufen.

Der Verein deutscher Besitzertrainer kämpft seit 27 Jahren für bessere Chancen der Pferde im Basisbereich, auch für den Schutz dieser Pferde vor herausragenden Cracks. Aber ein solcher Schutz sollte sich an den Pferden und ihren Fähigkeiten orientieren, nicht aber an der Haarfarbe ihrer Besitzer, dem Wohnsitz oder der Erfolgsquote des Trainers. Im Rennen laufen die Pferde, nicht die Trainer oder Besitzer. Was ist, wenn ein „kleiner“ Besitzertrainer krankheitshalber aussetzen muss und seine Pferde vorübergehend in andere Hände gibt? Den sperren wir dann auch aus. Auch der gemeinte Trainer von der Recke betreut „kleine“ Besitzer, die sich ebenso wie wir alle auch noch über einen 4. Platz mit 50 Euro freuen können. Und eine eingebaute Sieggarantie hat er auch nicht. Stand heute: von 262 Starts hat er 58 Rennen gewonnen, nicht zuletzt dank klugen Managements.

Wir haben etliche Schutzmechanismen im Laufe der Jahre durchsetzen können, so zum Beispiel die Plusskala im Ausgleich vier mit mehr als 10 kg, von der es einst im Direktorium hieß „Nur über meine Leiche“. Bei den Kategorierennen wurde über die Elfmonats-Bremse im F- und E-Bereich die Sperre für Siege in besseren Rennen auf zwei Jahre ausgedehnt. Mit viel Aufwand haben wir inzwischen Ausschreibungen für Pferde mit überhaupt nur einem Sieg und jetzt sogar für sieglose Pferde wieder installieren können. Erstaunlich, dass diese dann nicht einmal hinreichend bestückt werden, z.B. in Hassloch und Bad Harzburg.

Die starre Ausschreibung der Kategorierennen haben wir dahin lockern können, dass jeder Rennverein individuelle Ausschließungsklauseln einbauen kann. Aber die müssen sich an den Pferden und ihren Leistungen orientieren, nicht an den Trainern. Wirken Sie auf Ihre Vereine ein, davon sinnvoll Gebrauch zu machen.

Ein Vögelchen hat mir das Gerücht gesungen, dass eine Reihe Besitzertrainer gemeinsam beschlossen haben sollen, ihre Pferde zurückzuziehen, wenn der Name von der Recke auf der Starterliste steht. Ich hoffe, dass das wirklich nur ein Gerücht ist. Ein solcher Boykott ist nicht nur verboten und wird mit hohen Bußgeldern geahndet sondern kann auch zu Schadenersatzansprüchen führen. In der angespannten Lage können wir boykottierte und ausgefallene Renntage am allerwenigsten gebrauchen.

Strukturreform, Dauerthema und Zielscheibe der Kritik. Allen Unkenrufen zum Trotz, sie nimmt Gestalt an. Immerhin werden die Winterrenntage, ein Zusatzgeschäft für die Rennvereine, inzwischen zentral organisiert und finanziert – und damit erhalten. Für uns Besitzertrainer und den Rennsport eine wichtige Entscheidung. Der erste Wettshop ist errichtet und läuft immerhin Erfolg versprechend. Für das Gesamtkonzept wird Geld gebraucht. Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass wir fremde Investoren nur dann gewinnen können, wenn die Aktiven und Betuchten aus dem Rennsport sich auch selbst beteiligen. Auch das nimmt Formen an, und die Ausschreibung einer Beteiligungsmöglichkeit wird in Kürze reif sein. Angedacht sind nicht nur Millionen-Beteiligungen, ab 1000 € wird es möglich sein. Natürlich wird sich unser Verein unter Berücksichtigung der Gemeinnützigkeitsbeschränkungen angemessen beteiligen. Einmal um ein Zeichen zu setzen, aber auch der Transparenz willen.

Uns ist schon klar, dass es nicht genügt, eine neue Wettplattform zu bieten, sie muss besser sein als alle anderen, um die Umsätze in den Sport zurück zu holen.

Es ist kein Geheimnis: eingebrochene Wettumsätze und wegen der Wirtschaftskrise abgesprungene Sponsoren machen dem Rennsport zu schaffen. Die Hauptlast haben die Rennvereine zu tragen, bei den großen Rennen hat es erhebliche Abstriche gegeben, am glimpflichsten sind noch wir davon gekommen. Die Rennpreise im Basisbereich sind einigermaßen konstant geblieben. Ich weiß, ich weiß, sie reichen hinten und vorne nicht – aber das haben sie noch nie getan. Landauf, landab reiten unzählige Pferdefreaks für einen versilberten Hufkratzer und eine grüne Schleife. Da ist ein Tausender im F-Renen doch immerhin etwas.

Ich bin bei allem Realismus ein geborener Optimist, und ich hoffe, Sie auch!

Mit allen guten Wünschen für den Rest der Saison

Ihr Hans-Heinrich Jörgensen

 
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