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Schüßler-Salze für mein Pferd
 
Autor: Hans-Heinrich Jörgensen

Oldenburg wurde europaweit bekannt durch seine Pferdezucht, die ihre Tradition bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen kann. Und Oldenburg wurde weltweit bekannt durch die Naturheilweise "Biochemie", die 1874 von dem Oldenburger Arzt Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler kreiert wurde und in vielen Ländern der Erde mit Erfolg praktiziert wird. Was liegt näher, als dass eine Oldenburger, oder Fast-Oldenburger Pferdezüchter über die Anwendung dieser Therapieform auch bei Pferden schreibt.

Der Autor dieser Zeilen züchtet und trainiert in Großenkneten, unweit von Oldenburg, Galopprennpferde und bildet auch Lehrlinge für den Beruf des Rennreiters aus. Von Beruf ist er seit 45 Jahren Heilpraktiker und praktiziert die Biochemie nach Dr. Schüßler bei seinen menschlichen Patienten und natürlich bei seinen Pferden. Ganz nebenbei ist er Mitglied der Prüfungskommission für Pferdewirtschaftsmeister bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und Vizepräsident des Biochemischen Bundes Deutschlands, der mit über 70 regionalen Vereinen die Idee des Dr. Schüßler in der Bevölkerung wach hält.

Im Frühjahr 2007 ist ein Buch des Autors "Schüßlersalze für mein Pferd" beim Cadmos-Verlag erschienen - gerade rechtzeitig zur Equitana 2007. Einige der häufigen Pferdeprobleme, die sich für eine Anwendung der Schüßlersalze anbieten, seien hier erläutert.

Doch zunächst zur therapeutischen Idee der Biochemie: dieser Begriff führt manchmal zu Irritationen, ist doch die Biochemie als Ausbildungszweig moderner Mediziner an der Universität geläufig. Geprägt wurde der treffende Begriff von Dr. Schüßler ausgangs des 19. Jahrhunderts für seine Therapie mit homöopathisch aufbereiteten Mineralsalzen. Was heute an der Universität gelehrt wird, hieß damals "physiologische Chemie", doch flugs hat man den schönen Begriff okkupiert, besagt er doch so treffend, was gemeint ist, nämlich die Bio-Chemie, die Chemie des Lebens.

Schüßler war mit einer der ersten Ärzte, die die philosophisch-metaphysisch orientierte Medizin jener Zeit zu einer suchenden, fragenden, analysierenden modernen Medizin gewandelt haben. Entgegen dem Trend der damaligen Zeit forschte er, welche Stoffe denn im menschlichen Gewebe immer wieder vorkommen und welche Rolle sie im Stoffwechsel spielen. Dabei hat er sich auf die lebenswichtigen Mineralsalze konzentriert, die in der heutigen Medizin als essenziell, das heißt unerlässlich, gelten.

Er war ein exzellenter Beobachter und hat die Funktionen dieser Salze und die Schäden, die bei einer ungenügenden Versorgung entstehen, präzise beschrieben. Funktionsmittel nannte er die Reihe seiner 12 Mittel dann auch. Schon früh erkannten zeitgenössische Veterinäre, dass beim lieben Vieh die gleichen Probleme entstehen, wie bei menschlichen Patienten.

Schüßler war von Hause aus homöopathischer Arzt und brachte seine Erfahrungen der Homöopathie natürlich in sein neues Konzept ein. Dennoch betonte er immer wieder, dass es ihm nicht um die homöopathische Signalwirkung ging, die hundert Jahre vor ihm von Samuel Hahnemann nach dem Prinzip "Ähnliches mit Ähnlichem" gegründet war, sondern um die Ergänzung fehlender Salze. Die homöopathische Verreibung, Potenzierung sagen die Homöopathen dazu, diene lediglich der besseren Bioverfügbarkeit. Und in der Tat kommt man durch diesen Aufbereitungsschritt mit erstaunlich kleinen Mengen des jeweiligen Salzes zu erstaunlichen Therapieerfolgen.

Die homöopathische Potenzierung erfolgt in mehreren Schritten, indem ein Teil des Salzes mit neun Teilen Milchzucker intensiv verrieben wird. Diese 1:10- oder Dezimal-Verdünnung wird als D1 bezeichnet. Damit wiederum genau so verfahren ergibt eine D2, usw. In der Humanmedizin sind die Potenzen D6 und D12 üblich. Ich verwende für Pferde gerne tiefere Potenzen, statt der D6 eine D3, statt der D12 eine D6.

In der Humanmedizin empfehlen wir, die Tabletten nicht zu schlucken, sondern im Munde zergehen zu lassen, damit der lange Weg über Magen, Darm und Leber verkürzt wird. Werden die winzigen Salzmengen unmittelbar über die Mundschleimhaut ins Blut resorbiert, wirken sie schneller und besser. Nun kann ich dem Pferd schwerlich erklären, dass es lutschen statt schlucken soll. Darum gebe ich statt einer Tablette dem Pferd auch fünf oder mehr. Pferde haben ein ungeheures Geschick, Fremdes aus dem Futter heraus zu picken und im Stroh zu versenken. Darum prüfe ich zumindest bei den ersten Gaben, ob das Pferd die süßlich schmeckenden Tabletten auch akzeptiert. In die leere Krippe eine gute Handvoll Hafer und dazu die fünf Tabletten. 90% aller Pferde fressen die problemlos mit. Klappt das nicht, löse ich sie mit lauwarmem Wasser auf und gebe den Brei mit einer Einwegspritze oder einer alten Wurmkartusche hoch ins Maul, halte den Kopf einen Augenblick hoch, damit nicht alles gleich wieder aus dem Maul läuft.

Hier sei ausdrücklich betont, dass die Anwendung der Schüßlersalze nie den Tierarzt ersetzen kann, allenfalls ergänzen. Sie fallen auch nicht unter die strengen Dopingbestimmungen, da Homöopathika ausdrücklich erlaubt sind.

Eines der wichtigsten biochemischen Mittel für den Pferdebesitzer ist die Nummer 11 (Silicea). Die 12 Salze sind entsprechend ihrer alphabetischen Reihenfolge nummeriert. Silicea, im modernen Sprachgebrauch Siliciumdioxid, ist Kieselsäure und wohl die älteste bekannte Arznei. Es gibt Hinweise, dass schon unsere Steinzeitvorfahren ein Steinmehl als wirksame Arznei angewandt habe. In der Biochemie gilt Silicea als das klassische Mittel gegen alle degenerativen Schäden des kollagenen Bindegewebes, das sind Bandscheiben, Sehnen, Bänder, Gelenkkapseln und Gelenkknorpel, Herzklappen und vieles mehr im Körper. Aber gerade dieses Bindegewebe ist beim Sportpferd einer besonderen Belastung ausgesetzt, umso mehr, weil diese Belastung meist plötzlich und heftig nach 23stündiger Ruhephase einsetzt.

Damit wird schon einmal deutlich, dass viele Lahmheiten und Rückenprobleme nicht nur ein medizinisches Problem sind, sondern allzu oft auch ein reiterliches. Sattelwechsel, Reiterwechsel, Trainerwechsel, Stallwechsel ... sind oft das bessere Therapeutikum als alle Arznei.

Moderne Studien bestätigen, was der Oldenburger Dr. Schüßler schon vor über 130 Jahren beobachtet hat: die Matrix, nach der kollagenes Bindegewebe erzeugt wird, ist von einer ausreichenden Versorgung mit Silicea abhängig. Bindegewebe wird im Körper ständig abgebaut und neu gebildet. Hinkt die Neubildung hinter dem Abbau her, oder stimmt die Matrix infolge eines Silicea-Mangels nicht, kann der Körper nur minderwertiges Bindegewebe bilden. Sehnen-, Gelenk- oder Rückenprobleme sind vorprogrammiert.

Weiter wird der Epiphysenschluss durch Silicea beschleunigt. Die Epiphyse ist ein Spalt zwischen den langen Röhrenknochen, die beim jungen Pferd ja noch in die Länge wachsen müssen, und den angrenzenden Gelenken. Ein Pferd, das zu früh ins Training genommen wird, ehe die Epiphyse geschlossen ist, antwortet mit Schmerzen und Entzündungen.

Das bedeutet, dass alle Rücken-, Gelenk- und Sehnenprobleme sich für die Nummer 11 (Silicea D6 oder D3) geradezu anbieten.

Ein eben so häufiges Problem sind zu nervige Pferde. Auch hier sollte im Vordergrund nicht die Frage nach der richtigen Medizin stehen, sondern die Suche nach den Ursachen. Irgendetwas ist ja offenkundig bei diesem Pferd schief gelaufen: zu wenig Arbeit oder oft auch zu viel, falsche Behandlung durch den Reiter oder das Stallpersonal, Langeweile oder Stress, übersehene Schmerzen ...

Erst wenn sichergestellt ist, dass alles in Ordnung ist, kommt die biochemische Nummer 5 (Kalium phosphoricum D3) in Verbindung mit der Nummer 7 (Magnesium phosphoricum D3) ins Spiel. Kalium ist im Inneren der Nervenzellen etwa vierzig Mal höher konzentriert als in der Umgebungsflüssigkeit. Dieses Konzentrationsgefälle bewirkt das so genannte Ruhepotenzial der Nerven, also die Fähigkeit, auch einmal "nein" zu sagen zu den zahllosen Informationen, die ständig auf sie einprasseln. Und damit Kalium ins Nerveninnere hinein kommt, bedarf es Magnesium. Darum die Kombination. Von beiden Mitteln gebe ich bei Bedarf über ca. 4 Wochen hinweg je 1-2 x tgl. 5 Tabletten wie oben beschrieben.

Allzu oft und gern wird bei ängstlichen und nervigen Pferden zu einem der herkömmlichen Beruhigungsmittel gegriffen. Abgesehen davon, dass die natürlich alle als Doping gelten und die Pferde damit für geraume Zeit von Turnieren und Rennen aussperren, wird genau wie beim Menschen die Fähigkeit, Stress richtig zu gewichten und angemessen zu reagieren, immer schwächer. Dieses Problem haben Sie mit Kalium und Magnesium nicht, denn die Kombination beruhigt nicht, sondern stabilisiert die Nerven.

Dass junge Pferde für den Aufbau stabiler Knochen viel Calcium brauchen, hat sich hoffentlich überall herumgesprochen. Das muss über das Futter, insbesondere gutes Heu, gegeben werden, notfalls durch mineralisches Ergänzungsfutter. Calcium ist das Material, das die Bindegewebsstrukturen der Knochen ausfüllt. In Spuren finden wir darüber hinaus Fluor in der Knochenstruktur. Fluor härtet den Knochen. Die Humanmedizin gibt Fluorsalze zur Behandlung der Osteoporose und zur Prophylaxe der Karies, leider oft in viel zu hoher und fast toxischer Dosierung. In der Biochemie verwenden wir die Nummer 1 (Calcium fluoratum) für Menschen als homöopathische D12, fürs Pferd in der D6. Das Absetzfohlen und dann noch einmal der Jährling bekommt für einen Monat einmal tgl. 5 Tabletten.

Bei allen entzündlichen Vorgängen, z.B. Infektionen, kleinen Verletzungen oder auf degenerative Prozesse aufgepfropfte Entzündungen, hat sich die Nummer 3 (Ferrum phosphoricum) bewährt, wiederum beim Menschen als D12, beim Pferd als D6.

Hustet das Pferd, beginnt das große Rätselraten: akute Bronchitis, Allergie, Herzschaden? Bei der akuten Bronchitis ist natürlich - auch ergänzend zu den Maßnahmen des Tierarztes - die Nummer 3 angesagt. Im chronischen Stadium lohnt sich auch ein Versuch mit der Nummer 4 (Kalium chloratum D3 oder D6). Gibt es Hinweise auf eine allergische Reaktion, z.B. das Auftreten immer zu bestimmten Jahreszeiten, hat sich die Nummer 2 (Calcium phosphoricum D3) bewährt. Auch bei Menschen war Calcium lange Jahre das bewährte Mittel gegen Allergien. Ich gebe gern zusätzlich das Ergänzungsmittel Nr. 21 (Zincum chloratum D3). Es gibt neben den 12 Funktionsmittel noch weitere 12 später hinzu gekommene Ergänzungsmittel. Zink ist ein ganz wichtiger Faktor für die Immunabwehr, die bei allen Allergien die Fähigkeit verloren hat, angemessen zu reagieren. Da beim Sommerekzem der Robustpferde nie ganz eindeutig erkennbar ist, wieweit Insekten das Pferd peinigen oder wieweit allergische Reaktionen zur Qual werden, macht auch hier diese Kombination Sinn.

Und eine weitere wichtige Anwendung für das Ergänzungsmittel 21 (Zincum chloratum) ist die Unfruchtbarkeit des Hengstes. Die Beweglichkeit der Spermien ist von einer ausreichenden Zinkkonzentration in der Samenflüssigkeit abhängig. Übrigens auch beim Menschen.

Dieser Aufsatz kann nur Interesse wecken und zu eigenen kleinen Gehversuchen animieren. Wollen Sie mehr wissen, sollten Sie sich das oben erwähnte Buch aus dem Cadmos-Verlag "Schüßler-Salze für mein Pferd" leisten, 80 Seiten, überall im Buchhandel für 10,95 Euro erhältlich.
 
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